Hochzoll

Der Stelltisch für Hochzoll ist aus Siemens-Tischfeldern, wie sie auch im großen Eisenbahnbetrieb üblich sind,dem schematischen Gleisplan entsprechend aufgebaut; das Stellwerk weist alle für ein Dr S2 - Stellwerk des Großbetriebes typischen Funktionen auf. Die Steuerung besorgen 240 altbrauchbare Telefonrelais, in steckbaren Rahmen im Gehäuse untergebracht; sie mußten in mühevoller Arbeit ausgelötet, teilweise neu bestückt und justiert werden. Bedienung und Funktion entsprechen ganz dem großen Vorbild. So werden z.B. alle Gleisabschnitte mit einer selbsttätigen Gleisfreimeldeanlage - mit Ausleuchtung im Stelltisch - überwacht. Sie erfolgt über selbstentwickelte und -gebaute Platinen mit elektronischen Bauelementen und ist so hochempfindlich, daß sie bereits bei einem Achskurzschluß von 100 kOhm anspricht. Loks und Wagonbeleuchtung wirken dabei selbst als Achskurzschluß, die Achsen der anderen Wagen werden durch feines Aufsprühen eines Leitlacks leitend gemacht. Die Gleisfreimeldung arbeitet mit einem parallel zum Fahrstrom eingespeisten Gleichstrom, mit dem gleichzeitig auch die Zugschlußbeleuchtung mit Leuchtdioden betrieben werden kann. Die Gleise sind weiter mit einer automatischen Fahr-Brems-Steuerung (AFB) ausgerüstet, die je nach Signalstellung ein langsames Anfahren oder Abbremsen der Züge bewirkt; so werden neben dem optischen und sicherheitlichen (beim plötzlichen Halt) Effekt die Haltabschnitte vor den Signalen kurz und somit die Gleislängen voll ausnutzbar. Hat die 1. Achse des Zuges diesen Haltabschnitt erreicht, wird das ganze Gleis abgeschaltet, sodaß auch ein Wendezugbetrieb ohne Fahrzeugumbauten möglich ist.

Die 16 Fahrstraßen laufen - natürlich nur bei freiem Fahrweg - nach Drücken der Start- und Zieltasten selbst ein, die Weichen werden elektrisch verschlossen, sodaß sie nicht mehr stellbar sind, anschließend kann das Signal - nur bei richtiger Weichenstellung - in Fahrt kommen (echte Signalabhängigkeit). Die Auflösung der Fahrstraße erfolgt automatisch, wenn die letzte Achse des Zuges den Gleis- oder Weichenbereich verlassen hat. Eine bereits vorweg angeforderte feindliche Fahrstraße wird dann anschließend automatisch eingestellt (Speicherung). Mit einer eingestellten Fahrstraße wird außerdem der Fahrstrom der jeweiligen Fahrtrichtung auf das Gleis geschaltet, sodaß gleichzeitig bis zu 5, auch gegenläufige Fahrten möglich sind - mehr läßt der Spurplan von Hochzoll nicht zu. Ist keine Fahrstraße eingestellt, ist der ganze Bahnhofsbereich auf einen gesonderten Fahrregler geschaltet, der über die Rangiersignale auch in die einzelnen Gleise eingespeist werden kann. So ist ein Rangieren ohne Wechsel des Fahrreglers möglich.